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03 Mär
2022

Umweltsünde Essensproduktion

Die Lebensmittelproduktion trägt einen erheblichen Teil zum Klimawandel und dessen zahlreichen negativen Umweltveränderungen bei.

Wenn wir an die Problemverursacher für den Klimawandel denken, so kommen uns zu allerst Bereiche wie Industrie, Luftfahrt oder Individual-Verkehr in den Sinn. Wir denken an qualmende Rauchschlote, Schwerverkehr und kilometerlange Staus auf Autobahnen oder zigtausende Flugzeuge oder Kreuzfahrtschiffe, die Millionen von Touristen von einem Ort zum anderen transportieren.

Kaum jemand, der gemütlich in sein Steak schneidet, verschwendet dabei auch nur einen Gedanken an den Klimawandel. Und doch sind die Lebensmittelproduktion weltweit und deren Begleiterscheinungen ein großer Verursacher von Treibhausgasen.

Wichtig zu wissen ist, dass etwa die Hälfte der Treibhausgasemissionen aus dem Bereich Ernährung bei der Produktion, der Verarbeitung sowie dem Vertrieb von Lebensmitteln entsteht. Der größte Anteil dabei stammt aus der Produktion von tierischer Lebensmittel.

Betrachtet man alleine Österreich, so wird man erstaunt sein, dass rund ein Fünftel der Treibhausgase in Österreich auf das Konto der Ernährung gehen. Die Stadt Wien hält in Ihrem Online-Artikel zur „Klima- und Umweltrelevanz von Lebensmitteln“ fest: „Die energieintensive Landwirtschaft und insbesondere die Tierhaltung sind dafür vorrangig verantwortlich bzw. der in unserer Gesellschaft übliche Ernährungsstil mit einem hohen Anteil von Lebensmitteln tierischer Herkunft. Eine klimafreundlichere Ernährungsweise bedeutet bewussten Fleischkonsum und verbindet die langjährigen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung mit umweltverträglicher Erzeugung und möglichst regionaler Distribution. Saisonalen und wenig verarbeiteten Lebensmitteln sollte ebenfalls der Vorzug gegeben werden.“

In unserer westlichen Gesellschaft werden deutlich mehr tierische Nahrungsmittel (Fleisch, Eier, Milch) gegessen, als es einer ausgewogenen, gesunden Ernährung entsprechen würde. Zur Produktion von tierischen Nahrungsmitteln werden etwa fünf- bis sechsmal soviel Ressourcen (z.B. Fläche, Düngemittel) benötigt, wie zur Produktion einer vergleichbaren Menge an pflanzlichen Nahrungsmitteln.

Eine Studie der TU Graz zeigt, dass die biologische Wirtschaftsweise bei allen untersuchten Produkten Rindfleisch, Eier, Milch, Speisekartoffel, Körnermais und Äpfel in unterschiedlichem Ausmaß einen geringeren Druck auf die Umwelt ausübt als die konventionelle Bewirtschaftung. Bei Rindfleisch ergibt sich die Reduktion der Umweltbelastungen von über 60 Prozent aus der biologischen Erzeugung der Futtermittel. Der ökologische Fußabdruck der landwirtschaftlichen Produktion kann vor allem durch den Ersatz von mineralischen Düngemitteln und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln gesenkt werden.

Durch einen klimafreundlichen Ernährungsstil kann der Ausstoß von Treibhausgasen im Bedürfnisfeld Ernährung um mehr als die Hälfte vermindert werden.

Es gibt ein paar einfache und wichtige Regeln für jeden einzelnen, will man beim Thema Essen gleichzeitig auch auf das Klima schauen. Wichtig wäre es, Lebensmittel nur während ihrer natürlichen Saison zu kaufen bzw. zu genießen. Am besten natürlich regional, denn alles was von weit her kommt, muss lange, aufwendig und ressourcenschädlich transportiert werden. Konsumation aus biologischen Produktionsprozessen ist jedenfalls vorzuziehen, wobei in jedem Falle gelten sollte: weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse

Wie die FAO zeigt, stammen 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Der Anteil war höher, als der des weltweiten Verkehrs.

Je mehr Nachfrage besteht, desto höhere Produktionsmengen sind gefordert. Und mehr Vieh auf den weltweiten Weiden bedeutet noch ein zusätzliches Umweltrisiko: Laut FAO tragen Rinder durch ihre bloße Existenz schon enorm zum Ausstoß von Klimagasen durch Viehhaltung bei. In Ihrer Verdauung entsteht Methan, das 25 Mal stärker wirkt als CO2. Sie sind für etwa 65 Prozent aller Emissionen verantwortlich. Schweine dagegen tragen nur neun Prozent bei, bei Geflügel sind es sogar nur acht Prozent.

Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich, betrachtet man, wie viel Kilogramm CO2 für die Produktion von einem Kilogramm tierischem Eiweiß nötig sind. Bei einem Kilogramm Protein aus Rindfleisch fallen demnach über 300 Kilogramm CO2 an. Bei anderen Wiederkäufern wie Schafen sind es im Schnitt zwischen 165 und 112 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Protein. Etwas besser ist das Verhältnis bei Kuhmilch, dort sind es nur rund 80 Kilogramm CO2. Noch günstiger ist das Verhältnis beim Schweinefleisch, dort entfallen auf ein Kilogramm tierisches Eiweiß etwa 50 Kilogramm CO2. Hühner liegen knapp darunter. Am besten ist das Verhältnis bei Hühnereiern, dort werden pro Kilogrammm Protein nur etwa 35 Kilogramm CO2 freigesetzt.

Auch die Lagerung von Gülle, die Produktion von Futtermittel, sowie die Abholzung von Wäldern zur Schaffung weiterer Weideflächen oder für den Anbau von Futterpflanzen trägt zur schlechten Ökobilanz der Fleischproduktion bei.