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10 Feb
2022

Klimaziele erreichen möchten alle - aber wie?

Seit vielen Jahrzehnten wird im Jahrestakt über die dramatische Situation des globalen Klimas und der unsere Existenz gefährdende Erderwärmung gesprochen. Wissenschaftler weltweit schlagen immer wieder händeringend Alarm und bitten die Nationen und deren politische Führungen um klare Maßnahmen sowie verbindliche Vereinbarungen. An Bekenntnissen der Länder scheint es nicht zu mangeln, ernstzunehmende Taten fehlen jedoch bis dato rund um den Planeten.

Es war 1988 in Toronto, als sich erstmals Wissenschaftler und Vertreter großer Nationen trafen, um über Klimaschutz zu sprechen. Was folgte waren Versprechungen, den Kohlendioxidausstoß bis 2005 um 20 Prozent zu reduzieren. Es wurde das UN-Klimagremium „Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC, ins Leben gerufen. Zahlreiche Ergenisse aus wissenschaftlicher Forschung sollten hier zusammenlaufen und konkrete Maßnahmen für die Welt definieren. Der erste Bericht der Kommission etwa zwei Jahre später war katastrophal. Die Welt wurde zum sofortigen Handeln aufgerufen.

Liest man einen Bericht von Greenpeace aus dem Jahr 2019, dann liest sich die Zusammenfassung wie das Scheitern der gesamten Menschheit. Am Erdgipbel 1992 in Rio de Janeiro verpflichteten sich die Industrienationen, die Emissionswerte bis 2000 drastisch zu reduzieren. Neue Ziele. Neue Versprechungen. In der Zwischenzeit wurde die Auswirkungen des Klimawandels deutlich sichtbar.

Auf der dritten UN-Klimakonferenz im Jahr 1997 wurde das sogenannte Kyoto-Protokoll formuliert. Einzelheiten wurden ausgearbeiet und Bedingungen zur verbindlichen Umsetzung klimafreundlicher Maßnahmen verhandelt – fast immer mit dem Gegenwind der Industrie und einiger Regierungen.

2001 veröffentlichte der IPCC seinen dritten Bericht, klar zum Ausdruck brachte, dass der Menschen die zentrale Rolle beim Klimawandel spielt. 2005 trat das Kyoto-Protokoll dann schließlich in Kraft. Ratifiziert wurde es von insgesamt 191 Staaten, darunter alle EU-Mitgliedstaaten. Die USA waren das einzige verbleibende Industrieland, das die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls von Anfang an ablehnte. Die Industriestaaten verpflichteten sich verbindlich dazu, die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) oder Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) um mindestens fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Es folgten Jahre ohne konkrete Ergebnisse. Die IPCC zeigt auf, dass sich viele Regionen der Erde verändern werden. Küstenregionen werden im Meer verschwinden, 20 bis 30 Prozent aller bekannten Arten würden wahrscheinlich aussterben. Weitere maßnahmenlose Jahre zogen ins Land. Klima-Konferenzen ohne konkrete Ergebnisse zeigten ein klares Scheitern der weltweiten Klimapolitik.

2015 gelang in Paris ein großer Durchbruch. 195 Staaten einigen sich darauf, die weltweite Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die deutsche Regierung stellt ihre eigenen Klimaschutzziele, auch zugunsten der Industrie, immer wieder in Frage.

2017 verkündet Donald Trump den Austritt der USA aus dem Klimaschutzabkommen und tritt erst im Februar 2021 unter Präsident Joe Biden wieder bei. Wertvolle Zeit wurde einmal mehr vergeudet.

Auf der Klimakonferenz in Glasgow im Jahr 2021 hat sich die Staatengemeinschaft auf neue Maßnahmen gegen den Klimawandel geeinigt. Vor allem soll der Ausstieg aus der Kohleverbrennung eingeleitet werden. Damit alleine kann das 1,5-Grad-Ziel allerdings nicht erreicht werden.

Deutschland verabschiedete 2021 ein neues Klimaschutzgesetzt. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Treibhausgas-Ausstoß um 65 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 verringert werden.

Durch die Corona-Krise konnte Deutschland 2020 sein gestecktes Klimaziel noch erreichen. Mit dem Abflauen der Pandemie wird jedoch sichtbar, dass der gestiegende Energiebedarf 2021 vor allem mit Energie aus klimaschädlicher Sektoren gedeckt wurde. Die Süddeutsche Zeitung fasste es im Dezember 2021 so zusammen: „So wuchs der Einsatz von Braun- und Steinkohle um jeweils 18 Prozent - während die erneuerbaren Energien nahezu stagnierten. Zwar legten Solarstrom und Wasserkraft um jeweils fünf Prozent zu. Doch bei der Windkraft an Land herrschte oft Flaute, ihre Leistung schrumpfte um elf Prozent.“

2021 werden die energiebedingten Emissionen also um 25 Millionen Tonnen höher liegen als erwünscht. Deutschland hat seine Klimaziele also mehr als deutlich verpasst.

Das neue Klimagesetz sieht konkrete "Sofortprogramme" vor und zwar in allen Bereichen. Es bleibt abzuwarten was der neue Klimaminister Deutschlands Robert Habeck aus dem Hut zaubert. Die Altlasten auf seinen Schultern wiegen jedenfalls schwer. „

„Die Menschheit verhalte sich wie eine Gruppe, die mit verbundenen Augen ein Minenfeld betrete. Jeder Schritt könne in eine Katastrophe führen. Doch man dringe immer weiter vor, trotz der wachsenden Gefahr.“, warnt Patricia Espinosa, die Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats.

Auf der Website des Österreichischen Klimaschutz- und Umweltministeriums sind auch Österreichs Ziele exakt definiert. Österreich verfolgt das konkrete Ziel, bis spätestens 2040 klimaneutral zu sein. Gelingen soll dies unter anderem durch die erst heuer beschlossene ökosoziale Steuerreform, welche die Menschen in Österreich einerseits entlasten, andererseits Energiesünder stärker zur Kasse bitten soll. Man setzt auf den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs, den Ausbau von Fern- und Nahwärme, Verzicht auf Energiegewinnung aus Kohle, Öl oder fossilem Gas zur Raumwärmeerzeugung, einen  massiven Ausbau erneuerbarer Energieträger sowie Anreize für private Investitionen in klimafreundliche Technologien.